Norwegen Sommer 2018

Staunen in Hallingskarvet und Sturm in Skarvheimen

So langsam wird es mal wieder Zeit ein Lebenszeichen von mir zu geben. Nicht nur um meine fleißigen Leser auf dem Laufenden zu halten, auch um all das was passiert ist, und das ist einiges, zu sortieren und niederzuschreiben, bevor neue Erlebnisse meine geringe Speicherkapazität überschreiben. Zwar wird das Tagebuch fleißig gefüttert, aber am Lebhaftesten sind doch die Erinnerungen.

Der letzte Beitrag endete damit, das Hauke und ich schnellen Fußes nach Tyinkrysset eilen wollten. Dort sollten sich unsere Wege fürs erste trennen, aber dazu kommen wir später. Den Weg dahin zu überspringen, würde der fantastischen Landschaft zwischen Jotunheimen und der Hardangervidda nicht gerecht werden, zumal es auch hier einiges zu erzählen gibt.

Ausgeruht und voller neuer Energie starten wir nach unserem Ruhetag in Halne in den Hallingskarvet Nationalpark. Wer von dem Park noch nichts gehört hat, braucht sich nicht zu schämen, mir sagte der Name bis dato auch nichts und der Park wurde auch erst 2008 von Jens Stoltenberg persönlich eröffnet. Aber von nun an sollte man sich den Hallingskarvet merken. Der Nationalpark ist zwar klein, wir brauchen für die Durchquerung keinen ganzen Tag, aber fein. Eine richtige Perle nahezu.
Nach dem ersten Anstieg und an den zahlreichen Hütten vorbei schreiten wir leichten Fußes durch die immer schöner werdende Landschaft. Sattes Grün links und rechts und vor uns eine kleine, zum Teil noch schneebedeckt Bergkette. Linkerhand schweift der Blick weit über die Hardangervidda, die nun hinter uns liegt. Der Weg führt immer wieder kurzweilig auf und ab, bis wir doch noch ein paar steile Höhenmeter bewältigen müssen. Oben erwartet uns ein noch immer gefrorener See, den wir auf einem Altschneefeld passieren. Bevor wir wieder steil in das Tal auf der anderen Seite hinabsteigen, stolpern wir über die Lordehytta. Eigentlich nur ein paar übereinander gestapelte Steine mit einem Dach obendrauf, ist die Hütte im Inneren doch recht behaglich eingerichtet. Zwei Pritschen, Tisch, Stühle, Ofen und eine Aussicht, die die einfache Einrichtung im Nu vergessen lässt. Von hier schaut man weit über das grasige von Wasserläufen durchzogene Tal, das wir nach dem Abstieg passieren. Wir scheuchen ein paar Schafe auf, die hier oben keinen besseren Weideplatz haben könnten. Schaf müsste man sein! Der Tag endet zufrieden am Strandvatnet, einem See, den wir leider zu Fuß umrunden müssen, da kein Boot fährt, das uns die Kilometer abnehmen würde.

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Am nächsten Tag führt uns ein knackiger Anstieg nach Skarvheimen hinein. Hier bestätigt sich wieder meine Erkenntnis, ob Nationalpark oder nicht, Norwegen ist einfach überall schön. Ich glaube wirklich man kann sein Auto in Norwegen an einer beliebigen Stelle anhalten, auf den nächsten Hügel wandern und vor einem liegt eine Landschaft, die einem das Kinn herunterklappen lässt. Auch in Skarvheimen erleben wir eine abwechslungsreiche Landschaft, die keine Langeweile aufkommen lässt. Ob kurviger Wanderpfad, stegartige Holzplanken durchs Moor oder ein Anstieg, der selbst in den Alpen selten zu finden ist, an diesem Tag ist alles dabei. OK, ich gebe zu bei dem Anstieg haben wir den Verdacht, dass sich ein Praktikant beim DNT ausgetobt hat und einfach den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten in die Karten eingetragen hat. Heute führen uns unsere Füße zur Lungdalshytta und früh ins Bett. Morgen wird ein langer Tag, wie knackig der Tag wird erahnen wir noch nicht.

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Guten Mutes starten wir den Tag in Richtung Bjordalsbu. Nach einigen Kilometern ziehen wir die Regenkleidung über und steigen immer weiter hinauf. Der Wind wird stärker und aus dem leichten Regen ein Sturm. Die Pause verbringen wir im Windsack und nach den heißen Sommertagen im Mai wird uns wieder klar, warum unsere Rucksäcke so groß sind. Hier oben wird es zunehmend ungemütlicher. Der Wind schüttelt uns hin und her, der Regen peitscht ins Gesicht und ob all das nicht genug wäre, ziehen große Wolken auf, während wir uns auf Schneefeldern befinden und machen die ohnehin schon beschwerliche Suche nach den roten Ts unmöglich. Nur noch nach GPS orientierend kommen wir gefühlt unglaublich langsam voran. Der Wind und die Näße rauben Energie und man möchte sich gar nicht vorstellen, wie es hier oben weniger gut ausgerüstet sein muss. Die Hütte und den Ofen vor Augen und ganz ehrlich, Zelten will hier keiner von uns, laufen wir weiter vorwärts. Endlich erreichen wir Bjordalsbu, kochen Tee und Nudeln, trocknen unsere Sachen vor dem Kamin und gönnen uns eine vier-stündige Mittagspause. Kurz spielen wir mit dem Gedanken hier zu bleiben, da der Wind, der die Hütte einzureißen versucht, nicht wirklich einladend ist, aber die Wettvorhersage sagt Schnee voraus. Also wieder rein in die Gore-Tex Schicht und raus. Das Wetter besser sich mit jedem Meter den wir absteigen. Der Blick zurück zeigt aber, dass der Sturm nach wie vor in den Bergen hängt. Absteigen ist definitiv die richtige Entscheidung. Zur Belohnung erwartet uns zudem eine richtige Dusche in Breistølen. Was für ein Luxus. Der Tag hat uns aber mal wieder gezeigt, wie wichtig gute Ausrüstung in den Bergen ist und wie schnell eine Situation umschlagen kann und aus ungemütlich ziemlich ernst werden kann. Morgen noch ein paar Fleißkilometer nach Tyinkrysset und auf zu einem neuen Kapitel dieser Reise!

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