Norwegen Sommer 2018

Dovrefjell: Ausflug zu den Moschusochsen

Langsam zieht die stämmige Gestalt durchs Fjell, durchschnittlich nur zwei Kilometer pro Tag, das zottige Haar weht im Wind und Ruhepausen werden akribisch eingehalten. Ja, die Vermutung liegt nahe, aber gemeint ist der Moschusochse, dem wir in den nächsten Tagen mehrmals in freier Wildbahn begegnen dürfen.

Von Vinstra aus fahren wir zunächst mit dem Zug nach Kongsvoll. Nach Wochen der langsamen Fortbewegung, in denen alles über 30 Km nur noch in Tagen gemessen wird, ist Zugfahren ein wahres Abenteuer. Ich bin wirklich aufgeregt und kann es kaum erwarten, dass der Zug im Bahnhof einfährt und wir einsteigen dürfen. Keine zwei Stunden später haben wir unser Ziel erreicht. Da der Tag schon recht vorangeschritten ist und mangels Alternativen schlagen wir unser Lager auf einer Wiese hinter dem Bahnhof auf. Wir haben Wasser aus dem nahegelegenen Fluss und einen schönen, sonnigen Lagerplatz. Nur die zwei Züge, die nachts zwischen Oslo und Trondheim verkehren, klingen als fuhren sie direkt durchs Zelt.

Am nächsten Morgen starten wir in Richtung Reinheim. Wir treffen schon wenig später auf einige Tagesausflüger und zum ersten Mal ist gefühlt richtig viel los. Aber die wenigsten tragen ihren Hausrat spazieren und so sind wir uns sicher, dass die Hütte nicht allzu voll werden wird. Wir wissen zwar, dass wir hier in dem Gebiet richtig gute Chancen haben wilde Moschusochsen zu treffen, haben aber ansonsten keine Ahnung, ob die Tiere einzeln oder in Herden unterwegs sind, wie groß sie wirklich sind und ob sie gut zu erkennen sind. Also schleichen wir wie auf Safari durch die offene Fjelllandschaft und starren jeden größeren Stein in der Ferne so lange an, bis er sich definitiv nicht bewegt. Schließlich stoppen wir bei einem Paar, das per Fernglas ein einzelnes Tier auf der anderen Flußseite erspäht hat. Uns wird das Glas gereicht und wir sehen unseren ersten Moschusochsen, machen uns aber zugleich Sorgen. Er bewegt sich kaum und ist allein. Ist er vielleicht krank oder verletzt? Kein Grund zur Sorge, wie wir später von einem Ranger erfahren. Das Tier ist einfach nur faul. Die Tiere sind oft in kleinen Herden oder auch alleine unterwegs. Und wenn es besonders warm ist, wie an diesem Tag, vermeiden Sie jede Anstrengung. Wie auch Rentiere suchen sie oft schattige Schneefeldern auf, um sich abzukühlen, natürlich nur in der Nähe.

Kurz darauf hat es sich eine kleine Herde von fünf Tieren direkt auf dem Weg bequem gemacht. Sie liegen in einer Senke und so können wir gut verdeckt oberhalb der Tiere stehen und Bilder machen. Es wird geraten mindestens 200 Meter Abstand zu halten. Beim Umrunden der Tiere, schließlich müssen wir dem Weg weiter folgen, und auch auf dem Rückweg halten wir definitiv mehr Abstand ein. Gerade die größeren Bullen möchte ich auf gar keinen Fall reizen. An für sich besteht kein großes Risiko, wenn man den Abstand großzügig einhält und bei Warnsignalen der Tiere sich zügig weiter zurückzieht. Meist bilden sie eine Phalanx um sich zu verteidigen, aus der aber auch der ein oder andere schnelle (Schein-)Angriff erfolgen kann. Natürlich hat es auch schon Zwischenfälle gegeben, aber an dieser Stelle möchte ich den Ratgeber des Nationalparks zitieren: „bei Angriffen sind Sie selber schuld“.

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Es ist wirklich spannend die Tiere zu beobachten. Eigentlich machen sie nicht viel, sie stehen oder liegen nur rum, aber so ein großes Tier in freier Wildbahn zu erleben ist schon etwas besonderes. Auch die Reinheim-Hütte ist wirklich nett. An unserem ersten Abend sind wir nur zu viert und auch am nächsten Tag, aufgrund des stürmischen Wetters ein Ruhetag, wird ausgiebig in der Hütte gefaulenzt. Die Hüttenidylle endet jäh, als eine große Wandertruppe des DNT eintrifft und knapp 20 Frauen mittleren Alters die Hütte okkupieren. Zelten hat schon seine Vorteile, wenn nur immer das Wetter mitspielen würde.

Am nächsten Tag wandern wir zurück nach Kongsvoll und fahren direkt weiter nach Vinstra. Meine Freundin muss leider zurück nach München und mich ruft der Norden. Der kleine Ausflug ins Dovrefjell gehört aber definitiv zu den Highlights meiner bisherigen Reise.

 

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