Norwegen Sommer 2018

Von Storlien über Snåsa nach Røyrvik

Weglos im Rentierland

Wir sind froh Storlien zu verlassen. Der Lagerplatz am See hatte zwar auch seinen Reiz, aber wir freuen uns auf die Rückkehr nach Norwegen. Mit frischem Proviant bestückt streben wir bergan dem Gipfel des Skigebiets entgegen. Oben angekommen haben wir eine gute Sicht auf das, was uns die nächsten Tage erwartet. Neben Hauke beinhaltet das „Wir“ auch Sarah, eine Freundin von Hauke, die uns die nächsten Tage begleiten wird.

Es geht wieder zurück über die Grenze und mehr oder weniger strikt nordwärts. Das Gelände ändert sich fast täglich. An den ersten Tagen kreuzen wir immer wieder kleine Schluchten, in denen sich perfekte Badestellen gebildet haben und zum campieren einladen. Weiter gen Norden wird es sumpfiger, moosiger und deutlich bewaldeter. Ich war zwar noch nie in Kanada, aber genau so stelle ich es mir vor. Das Gelände bremst leicht aus, auf dem felsigen Grund im Süden oder den Holzplanken in Schweden ging das Vorankommen zügiger vonstatten. Aber so genießen wir die Landschaft oder verfluchen das ein oder andere Matschloch. Trotz des feuchten Untergrundes ist der Rekordsommer deutlich zu spüren. Viele Bäche führen kaum oder kein Wasser, Trinkwasser zu finden ist, ganz untypisch für Skandinavien, manchmal gar nicht so einfach, die Seen liegen weit unterhalb der normalen Uferlinie und hin und wieder weht Brandgeruch aus Schweden hinüber. Wie verheerend die Feuer wüten lesen wir erst später in den Nachrichten, erhalten aber öfter besorgte SMS von Freunden. So sind wir über jeden kleinen Regenguss dankbar.

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Nach einigen Tagen erreichen wir das Blåfjell. Hier warten mehrere kleine Höhepunkte auf uns. Wir passieren nicht nur den geografischen Mittelpunkt Norwegens, ab hier soll es auch weglos weitergehen. Der Mittelpunkt Norwegens ist eigentlich nur ein unspektakulärer Stein auf einer matschigen Wiese. Da wir am südlichsten Punkt des Landes gestartet sind, ist es dennoch ein tolles Gefühl hier vorbeizukommen. Trotz des Regens machen wir erst ein paar Bilder, bevor wir weiterziehen. Wenig später enden die roten Markierungen des norwegischen Wandervereins und wir sind auf uns gestellt und unsere Fähigkeiten Karte und Kompass zu lesen. Theoretisch führt hier der Fernwanderweg E1 entlang, die GPS-Route ist aber nur eine lange Gerade durch die Landschaft und nicht besonders hilfreich. Ohnehin macht der E1 einen Knick nach Osten, aber wir möchten Sarah nach Snåsa bringen und wollen in nordwestliche Richtung. Also entschließen wir uns den „E1“ zu verlassen und schlagen uns einfach nach Norden durch das Blåfjell. Eine gute Entscheidung. Anstatt einer Route zu folgen suchen wir uns einen möglichst sinnigen Weg durch das Gelände. Die Orientierung ist ohnehin nicht sehr schwierig. Einfach nach Norden. So führt uns unser Weg weiter hinein in den Park und schon bald sind wir umringt von Rentieren. Kleinere und größere Herden ziehen umher und viele einzelne Tiere streunen durch die Gegend. Teilweise kommen die Tiere ziemlich dicht an unsere Lager heran, bevor sie uns sehen und das Weite suchen. Wir genießen es einfach so nach Lust und Laune durch die Landschaft zu wandern, insbesondere da es sich um eine so schöne Landschaft handelt. Das Motto „Einfach nach Norden“ behalten wir auch die nächsten Tage bei.

Sarah nimmt schweren Herzens in Snåsa den Zug nach Trondheim und wir schlagen uns wieder schleunigst in die Wildnis. Nach Røyrvik soll es gehen und vor uns liegt das Nesåfjella. Die Gegend ist weder groß bekannt noch ein Nationalpark, aber uns gefällt es hier richtig gut. Über Tage treffen wir keine Menschen, sind wieder höher in den Bergen und wandern wie es uns gefällt kreuz und quer Richtung Norden. Zu allem Überflüss laufen uns sogar drei Vielfrasse über den Weg. Ich bin ganz froh, dass die Bande relativ zügig die Entfernung zwischen uns vergrößert, aber es ist schon spannend die Tiere in freier Wildbahn zu sehen.

Nach einem Ruhetag in Røyrvik steht das Børgefjell auf dem Programm. Der Park ist die Heimat von Fjellfüchsen und Braunbären. Ob wir weiterhin so viel Glück haben und auf spannende Tiere stoßen ist Teil des nächsten Artikels.

Richtig gute Bilder und die Tour aus Haukes Sicht findet ihr hier!

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