Norwegen Sommer 2018

Genusstour durch das abenteuerliche Børgefjell

Auf das Børgefjell habe ich mich schon lange gefreut. Ein wegloser Nationalpark, der per Boot betreten wird (in unserem Fall auch verlassen, aber dazu später mehr) und dem der Ruf vorauseilt einer der schönsten Parks Norwegens zu sein. Viele Wanderer die Norwegen durchqueren schwärmen zwar von dem Park, bleiben aber meist auf der kürzesten Strecke zur nächsten Straße, bzw. markierten Wanderroute und sind so selten länger als ein bis zwei Tage im Børgefjell unterwegs. Das wäre doch viel zu schade, hier nur so wenig Zeit zu verbringen, wenn der Ruf stimmt. Also entschließen wir uns den Park bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit in Hattfjelldalen komplett von Süd nach Nord zu durchqueren und planen sechs Tage ein. So viel sei verraten, auch sechs Tage sind eigentlich viel zu kurz!

Am Limingen Gjestegård in Røyrvik starten wir gut ausgeruht und mit Essen für sechs Tage im Gepäck gen Norden. Bevor der spaßige Teil beginnt, stehen erst 15 Kilometer auf der Straße an. Das kleine Boot, das Wanderer über den Namsvatnet in den Nationalpark bringt, soll um 14 Uhr ablegen, also haben wir genug Zeit. Um kurz nach zwölf sind wir bereits am Anleger und nutzen die Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Die Zeit verrinnt und leider ist selbst um halb drei weit und breit kein Boot zu sehen. Wir haben leider überlesen, dass auch die Boote zu den regelmäßigen Zeiten im Voraus gebucht werden müssen. Aber alles halb so wild. Nach einer kurzen Wartezeit kommt ein Boot mit Wanderern beladen und wir können für eine spätere Überfahrt Plätze reservieren. Eine Stunde und zwei Kaffee später befinden wir uns schon mitten auf dem See und rasen über das Wasser. Die Überfahrt dauert länger als gedacht, bietet aber einen schönen Ausblick auf den Park und wir genießen die Bootsfahrt bei strahlendem Sonnenschein. Kurz bevor die Fahrt gedrosselt wird, taucht ein großer mehrstufiger Wasserfall in unserem Blickfeld auf. Ein sehr netter Empfang. Wir springen aus dem Boot, schnappen uns unsere Rucksäcke, bedanken uns und schon ist das kleine Motorboot bereits auf dem Rückweg. Hier stehen wir nun, sechs Tage unberührte Wildnis und Abgeschiedenheit liegen vor uns. Zumindest ein klein wenig. Ganz so wild und abgeschieden ist es dann doch nicht. Kurz hinter dem Anleger stoßen wir auf einen kleinen Unterstand und zahlreiche Wegweißer. Da es schon recht spät ist, entschließen wir uns hier zu biwakieren und mit Kameras bewaffnet den Wasserfall genauer zu inspizieren. Später am Abend treffen wir noch auf drei Norweger, die in einer Hütte in der Nähe wohnen und ein paar Tage zum Angeln hier sind. Die Einladung ebenfalls in der Hütte zu nächtigen schlagen wir zwar aus, freuen uns aber dennoch sehr über das Angebot.

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Am nächsten Morgen geht es endlich tiefer hinein in den Park. Erst folgen wir einem Trampelpfad, der sich nach wenigen Kilometern verläuft und von nun an geht es querfeldein weiter. Unsere Route ist nicht wirklich ausgeklügelt. Wir folgen den Tälern mehr oder weniger sinnig nach Norden und versuchen nicht allzu schwierige Übergänge von einem Tal in das nächste zu finden. Im Endeffekt gehen wir im Zickzack nordwärts durch den Park. Die Orientierung geht ebenso locker von der Hand. Anstatt mit Karte und Kompass penibel durch den Park zu manövrieren, schauen wir morgens und mittags auf die Karte und orientieren uns ansonsten einfach am Gelände. Je länger wir auf diese Weise unterwegs sind, umso weniger vermisse ich Wege und Markierungen.

Zu unserer Überraschung sehen wir verhältnismäßig viele Zelte. Verhältnismäßig bedeutet vier bis fünf in den ersten Tagen. In den letzten Tagen sind wir weit und breit wieder allein, abgesehen von hunderten von Rentieren, die über die Hochebenen streunen. Das Børgefjell gefällt mir richtig gut. Viele kleine Flüsse durchziehen die Täler und verbinden die unzähligen Seen. Ringsherum ragen Gipfel empor und kleine Gletscher und Schneefeldern stechen hervor. Am Rande des Parks schweift der Blick weit über die angrenzenden Täler bis nach Schweden hinein und es gibt Rentiere en masse. Nur Bären, Fjellfüchse oder erneut Vielfraße bekommen wir keine zu Gesicht. Das wäre aber auch zu viel Glück.

Wir lassen uns relativ viel Zeit und legen keine allzu großen Entfernungen zurück. Nachts regnet es hin und wieder und wir starten oft erst spät in den Wandertag. Tagsüber ziehen dunkle Wolken bedrohlich durch die Täler, schieben sich über die Sättel und Hänge und erzeugen beeindruckende Ausblicke. Ich bin froh, dass wir uns für die lange Tour durch den Park entschieden haben und könnte hier noch viel länger bleiben. Aber die Vorräte näher sich dem Ende und wir müssen langsam schauen, dass wir nach Hattfjelldal kommen.

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Nach einem letzten Camp zwischen zwei Wasserfällen steigen wir ab und folgen einer Schotterpiste nach Norden. Diese sollte uns eigentlich zu einer Brücke führen, die uns kurz vor dem Ort über den Fluss zur Straße nach Hattfjelldal bringt. Zur Brücke führt uns der Weg auch, nur gibt es keine Brücke mehr. Alles was wir finden ist eine Baustelle auf beiden Seiten des Flusses und dazwischen ein tiefer Graben mit viel Wasser. Zu allem Überfluss fängt es an in Strömen zu regnen. Aus Paletten und Wellblechen die wir neben der Baustelle finden bauen wir uns kurzerhand einen Unterstand und machen was in einer solchen Situation angebracht ist. Wir trinken Kaffee, essen Kekse und erörtern unsere Alternativen. Der Regen endet und wir haben einen Plan. Direkt am Ort ist der Fluss laut Karte am breitesten. Dort wollen wir unser Glück probieren. Die nächste Brücke ist über 20 Kilometer entfernt und somit definitiv ausgeschlossen. Auf dem Weg zu der ausgesuchten Stelle überlegen wir uns verschiedene Strategien den Fluss zu überqueren. Aber wir haben Glück, auf der anderen Uferseite erspähen wir ein Ruderboot und einen Spaziergänger, der seinen Hund ausführt. Wir stellen uns ahnungslos und fragen rufend nach einer anderen Brücke. Als Antwort erhalten wir, dass es eine gäbe, in 20 Kilometer Entfernung. Das sei zu weit, erwidern wir und fragen ob es möglich sei uns mit dem Boot zu holen. Er verneint, es sei nicht seins. Das dachten wir uns schon, aber man könnte es sich sicher leihen in diesem Fall. Nein, es wäre nicht seins, ist seine Antwort. Leider keine große Hilfe, aber damit hatten wir bereits gerechnet und sind im nu entkleidet. Schwimmend erreichen wir das andere Ufer, holen per Ruderboot unsere Rucksäcke nach und verstauen das Boot wie wir es vorgefunden haben. Wir fühlen uns nach der erfolgreichen Meisterung des Hindernisses wie echte Abenteurer und wandern stolz wie Oskar die letzten Meter in den Ort.

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Das Børgefjell haben wir gemeistert und sehr genoßen. Nach einem Ruhetag in Hattfjelldalen soll es nun nach Umbukta und kurz darauf über den Polarkreis gehen. Die nächsten großen Meilensteine dieser Tour.

Weitere Bilder und spannende Artikel gibt es bei Hauke!

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